Categories
Austria Politics

Ein paar Thesen zu aktuellen Gesetzesentwürfen

(Diesen Blogpost habe ich 2017 für den CERT.at Blog geschrieben. Das hier ist quasi eine Sicherheitskopie.)

Das Thema “LE going dark in the age of encrytion” kocht mal wieder hoch, und noch schnell vor den Neuwahlen wurden entsprechende Gesetzesentwürfe eingebracht. Ich will hier aus technischer Sicht ein paar Argumente in die Diskussion einwerfen, beschränke mich hier aber rein auf den Aspekt Überwachung trotz Verschlüsselung. Die anderen Punkte (Registrierung und Zugriff auf Kameras, Zugriff auf Daten der ISPs, …) sind zwar auch interessant, treffen aber nicht so sehr in das Kerngeschäft von CERTs, ich werde sie daher nicht mit dem CERT.at Hut kommentieren.

Categories
Austria Politics

#define gerechte Pensionen

Weil mal wieder der Generationenvertrag in Sachen Pensionen im Gespräch ist, und Alt gegen Jung diskutiert, will ich hier mal einen Gedanken einwerfen, der zu oft ignoriert wird.

Wir haben ein Umlagesystem bei den Pensionen: die jetzt Arbeitenden zahlen die Pensionen der vorigen Generation in der Erwartung, dass dann ihre Kinder und Enkel das Gleiche für sie machen werden. Alles gut und sinnvoll, aber was genau meinen wir eigentlich mit “das Gleiche machen”?

Durch die demoskopischen Entwicklungen und die Änderungen in der Lebenserwartung sind die Randbedingungen nicht konstant geblieben, die Frage hat daher keine triviale Antwort. Ich sehe grob zwei Ansätze, wobei ich bewusst nicht behaupte, dass der eine wahrer ist als der andere.

Der anspruchsbasierte Ansatz

Nach x Jahren Arbeit / ab dem y. Lebensjahr hat man einen Anspruch auf eine Pension in der Höhe von f(Arbeitseinkommen). Wenn die Generation, die jetzt in Pension ist, das für ihre Vorgänger ermöglicht hat, dann ist es nur fair, wenn auch sie zu den gleichen Konditionen in Pension gehen können. Ja, an ein paar der Parameter wurde in den letzten Jahren leicht gedreht, etwa der Funktion, die aus dem Einkommen über die Berufsjahre die Pensionshöhe ermittelt, aber der Ansatz blieb der gleiche: man hat sich eine Pension in einer gewissen Höhe verdient, und die haben die Kinder und der Staat zu garantieren. “Ist ja fair, wir haben das gleiche für unsere Vorfahren gemacht.”

Der kostenbasierte Ansatz

Wir können aber auch andersherum rechnen: die jetzigen Pensionisten mussten während ihres Arbeitslebens für die Unterstützung ihrer Eltern/Großeltern einen gewissen Teil ihres Einkommens abgeben. Teils direkt per SV-Abgaben auf ihr Einkommen, teils per Arbeitsgeberbeiträge auf ihren Lohn aber auch über Zuschüsse aus dem regulärem Staatsbudget. Das könnte man sicher aus historischen Statistik- und Budgetdaten für jedes Nachkriegsjahr ausheben. Der genaue Prozentwert spielt hier keine Rolle, aber ich bin mir sehr sicher, dass er über die Jahre hinweg gestiegen ist, weil die Bevölkerung nicht mehr so stark wächst (was das Ganze in Richtung Ponzi-Schema gerückt hat) und die Lebenserwartung viel stärker gestiegen ist als das Pensionseintrittsalter. Man kann gut argumentieren, dass das nicht fair ist. Warum sollen heutigen Arbeitenden mehr ihrer Wirtschaftsleistung an die Pensionisten abgeben, als was diese früher für ihre Vorgänger abgegeben haben?


Aus einer rein rationalen Sicht sind beide Ansätze gleich richtig. Beide sind in sich konsistent und logisch. Der Mathematiker und Informatiker in mir sagt: wenn man bei einer Optimierungsaufgabe die Zielfunktion nicht klar definiert (hier “Was ist gerecht?”), dann kann man nicht objektiv die beste Lösung suchen. Das geht mir bei der aktuellen Debatte ab. Die Anerkennung, dass es mehr als einen Blickwinkel auf das Thema gibt, und dass man daher einen politischen Kompromiss suchen wird müssen.

Aber in einem Bereich bin ich ganz hart für den kostenbasierten Ansatz: Angeblich sind die Politikerpensionen in Italien komplett aus dem Ruder gelaufen, weil schon kurze Karrieren dort großen Pensionsansprüche triggern. Hier wäre ein hartes “Aber in Summe kriegen sie nicht mehr als x% vom BIP.” hilfreich.  

Categories
Austria Internet Politics

ID Austria und der Bundestrojaner

[2022-08-16: ein paar Klarstellungen hinzugefügt.]

Letztens hat wer auf Twitter geschrieben, dass es doch sein könnte, dass in die für ID Austria vorgesehene Smartphone App (“Digitales Amt”) ein Bundestrojaner eingebaut ist. Ich halte das für ausgesprochen unwahrscheinlich, die Argumente dahinter (neben den trivialen “das schaffen sie nicht” und “das wäre illegal”) eignen sich aber nicht für Twitter, daher dieser Blogpost.

Auf die Frage, warum SMS nicht mehr sicher genug ist, und warum eine App am Smartphone als zweiten Faktor die Lösung sein soll, will ich hier nicht eingehen. Das ist ein anderes Thema, und ist in der Form auch gar nicht mehr wahr, da auch FIDO Tokens (Level 2) unterstützt werden. Auch das Thema Datenschutz will ich hier nicht ansprechen.

Categories
Austria Pet Peeves

Digitale Signatur mal wieder

Heute hat mich ein Kollege zu einem signiertem PDF befragt: Ist das korrekt und qualifiziert unterschrieben?

Sind wir mal naiv und öffnen es mit Acrobat X. Ja, ist signiert, kann das aber nicht überprüfen. A-Trust tools sind installiert; ein update auf den aktuellen download von a-trust ändert nichts dran, dass ich von dem Teil nur Fehlermeldungen bekomme.

Ok, gut, wozu gibt es einen Online-PDF checker unter https://www.a-trust.at/pdfverify/. Nix da:

Nur gut, dass die RTR bessere Arbeit abliefert: Der Online-Validierer unter https://pruefung.signatur.rtr.at/ funktioniert.

Categories
Austria Pet Peeves

Otmar will’s wissen

Jetzt kommt ja demnächst diese super geniale Volksbefragung unserer roten Stadtoberen, die auch eine Frage zum Hundeführerschein für Kampfhunde enthält. IMnsHO ist die Frage falsch: sie sollte heissen, ob man solche Hunde überhaupt in der Stadt haben will. Aber man freut sich ja über kleine Fortschritte.

Dabei kam mir der Gedanke, wie schaut’s eigentlich mit einer vorgeschriebenen Haftpflicht für Hunde aus? Da könnte es ja durchaus finanzielle Anreize geben, sich lieber einen friedlichen Hund anzuschaffen, weil für den vielleicht doch weniger zu zahlen ist, als für eine Kampfmaschine. Kurzes Googlen zeigt mir, dass da schon andere auf die Idee kamen, und das ist für seit 1. 1. 2006 geborene Hunde in Wien wirklich vorgeschrieben.

Liebe Opposition im Rathaus: Wie wär’s mal mit einer Anfrage, ob das totes Recht ist, oder ob diese Vorschrift auch wirklich exekutiert und überprüft wird?

Categories
Austria Pet Peeves

Yeah, right

Today at the local (small) supermarket:

obst beim zielpunkt

Well, at some point in history, both Spain and (parts of) Italy were part of the Hapsburg Empire, but the rest? Give me a break.

Categories
Austria Life

East / West and counter-intuitive train stations

I was booking train tickets from Vienna to Budapest this week and noticed the following absurdity:

My train from Vienna to Budapest leaves at Wien Westbahnhof and arrives at Budapest Keleti pályaudvar. In other words, I’m leaving from the western train terminal in Vienna and will arrive at the eastern train station in Budapest.

So far, so good.

It’s just that Budapest is straight to the east of Vienna.

(Yes, there are good reasons for that, for the Vienna side it’s that the train is coming from Zurich. In Budapest Keleti seems to be the default station for international trains.)

Categories
Austria

May Weather

It’s time for the annual proof that god favors left over right, but this time it’s not that easy for him.

Some background: traditionally, the social democrats (which used to be called socialists) hold a rally on May 1st on the Vienna Ringstrasse. Over the last years, that has been more and more a relic of old times: various delegations of workers, unions, retirees clubs and whatnot else affiliated with the SPÖ marching and showing flags. Of course there are speeches, the (traditionally red) major and (if they are lucky) their own federal chancellor rally their people. After the official part, there is a big party in the Prater, with music for all tastes (incl. western&country (complete with line/square-dancing)). That’s usually very nice: the chestnut trees are in full bloom and …

… the sun shines. Always.

The major right-wing party also organizes annual festivities some other days in May: they hold in the the center of the city, complete with music and other attraction. But ..

… the weather sucks. Always.

So this year they are going for something new: They scheduled their Stadtfest for May 2nd – 4th. I see this as a challenge for Petrus: can he turn around the weather in just one night?

Oh, and there is another data-point regarding god’s political stance: The communist’s “Volksstimmenfest” also gets doused in rain every year.

[UPDATE, May 1st]

The ÖVP’s jinx worked, we didn’t have the usual bright day, there even were a few drops of rain. Let’s see what tomorrow will be like.

[UPDATE, May 3rd]

Well, well, well. It looks like the ÖVP got the better wetter this year. Will pigs fly next year?